Unser schöner Heimatort Langenstein - in Höhlenwohnungen lebten einst Menschen

Einer der letzten Höhlenbewohner des Schäferberges

Gottlieb Zander

Wann man die ersten Höhlen in die Sandsteinfelsen des Langen Steins zwischen Halberstadt und Blankenburg geschlagen wurden, ist unbekannt. Manchen Heimatforscher meinen in der germanischen Zeit, andere vermuten, dass diese mit dem Bau der Altenburg, im 12. Jahrhundert, entstanden sind. Jedoch eines weiß man, noch Anfang dieses Jahrhunderts waren die meisten Höhlenwohnungen bewohnt. Doch dann durften sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu Wohnungen genutzt werden. So begannen einige zu verfallen, andere dienten als Lagerräume und Stallungen. Wie wir uns erlesen konnten, hatte Bischof Ulrich, Vice-Dominus und Probst des Liebfrauenstiftes zu Halberstadt, den Auftrag zum Bau einer Burg auf dem Langen Stein erteilt. 1151 wurde diese fertiggestellt und diente als Zufluchtsort und Sommerresidenz der Halberstädter Bischöfe. Heute erinnern uns an die einstige Burg nur noch einige Mauerreste. Im Steinboden kann man noch deutlich die Fahrrillen erkennen, in denen die Räder der Wagen liefen, denn schließlich mussten ja die Lebensnotwendigkeiten auf die Burg befördert werden. An den Seiten des Fahrweges befinden sich zahlreiche in die Sandsteinfelsen geschlagene Höhlen, meist als Unterstände für Wachpersonal und Pferde angelegt. Doch einige wurden im 18. Und 19. Jahrhundert auch zu Wohnzwecken ausgebaut. Eine Höhlenwohnung wurde weitgehend in ihrem ursprünglichen Zustand hergestellt. Somit kann man sich ein ganz klein wenig vorstellen, wie die Leute doch damals gewohnt haben. Wie die meisten Höhlenwohnungen konnte auch diese mit einer Wohnungstür verschlossen werden. Im Sommer ließ man diese jedoch offen stehen, da durch das einzige Fenster Licht nur in die Wohnstube fiel. Die Stube und die Küche waren ausreichend hoch. Gebückt mussten die Leute aber in die beiden Schlafräume gehen. Im Winter war es in den Höhlenwohnungen recht kalt. Deshalb, so erfuhren wir, heizten die Höhlenbewohner ihre Wohnung mit einen eisernen Ofen den Sandstein auf. Dieser Sandstein strahlte die Wärme dann wie ein Kachelofen, ganz langsam wieder ab. Im Sommer waren dagegen die Felsen angenehm kühl. Solche Höhlenwohnungen sind fantastisch und wir Schüler sind STOLZ, solche in unserem Heimatort zu haben. Wenn man in einer Höhlenwohnung steht, kann man sich sogar ein ganz klein wenig vorstellen, wie diese Bewohner vielleicht damals gelebt haben könnten. Und wenn man dann noch vor dieser Wohnung steht und hinunter ins Dorf schaut ist es ein wunderbares Gefühl. Noch viel jünger als die Höhlenwohnungen an der Altenburg sind jene auf dem Schäferberg. 11 Wohnungen entstanden damals in dem Quadersandstein. Die meisten bestanden aus einem Wohnraum, einer Küche, einem Vorratsraum und zwei Schlafräumen. Diese Höhlenwohnungen waren ebenfalls bis Anfang dieses Jahrhunderts bewohnt. Seitdem dienten die Höhlenwohnungen in der Höhlenstraße nur noch als Vorratsräume, Stallungen oder Luftschutzkeller während des 2.Weltkrieges. Auch hier kann man sich eine Höhlenwohnung näher ansehen, damit man überhaupt einmal eine Vorstellung hat, wie die Leute doch damals so wohnten. Außer den Höhlenwohnungen an der Altenburg und auf dem Schäferberg hat es einst noch zahlreiche weitere Höhlen gegeben. Auch diese dienten zeitweilig den Wohnzwecken. Interessant zu wissen wäre, dass noch Anfang des 19.Jahrhunderts die meisten Höhlenwohnungen bewohnt waren. 1916 zog schließlich ihr letzter Bewohner aus. Unser Ort ist nicht nur idyllisch, sondern auch ein Ort mit Geschichte.

Karolines Wohnung

 

 

Karoline Schmidt vor ihrer

vor ihrer Hölenwohnung

 

Vor der ehemaligen Höhlenwohnungen stehen Langensteiner Schäferbergbewohner (von links Hans Heydecke, Hermann Sattler,
Friedrich Rindert )